Lebte in Bonn am Rhein
Das Werk von Martin Noël basiert auf den Überlegungen des an der Entwicklung der modernen Kunst maßgeblich beteiligten Otto Freundlich (1878-1943). Dieser erachtete die Linie als das wesentliche Trennungsmerkmal zwischen den Dingen, die eine räumliche Wahrnehmung erst möglich macht.
Von Bedeutung für Noël sind auch die Gedanken des englischen Philosophen John Berger (1926-2017), in denen er sich für die Entdeckung des Unbeachteten, des eher bedeutungslosen bei der Wahrnehmung von Natur aussprach.
So abstrakt die Bilder von Martin Noël erscheinen mögen, so haben sie alle ihren Ursprung in der unmittelbaren, von Berger angesprochenen, unbeachteten Realität.
Seien es die Risse im Boden des World Trade Centers in New York nach der ersten Bombenattacke von 1993, oder seien es die Risse in den Wänden der Häuser von Venedig und Paris oder die Schatten der Blumen, die er auf seinen Reisen entdeckte und als Skizzen auf Papier brachte.
Später Schnitt er diese Linien in das Holz eines Druckstockes und fertigte ganz in der Tradition von Albrecht Dürer als Holzschneider die Serien seiner Drucke auf Papier oder Leinwand. Dabei druckte er in einer ganz besonderen Farbigkeit, die sich an der Farblehre von Le Corbusier (1887- 1965) orientierte. Er druckte stets in kleinen Auflagen, bei den größeren Drucken handelt es sich meist um Unikate.
Oft erklärte er nach Abschluss der Druckarbeiten den Druckstock selbst zum künstlerischen Objekt, in dem er ihn mit Farbe oder mit Blattgold überzog und ihm so seine Wiederverwendbarkeit entzog.
In seinem gesamten künstlerischen Werk, darin liegt die Leistung von Martin Noël, fand er zu einer eigenen künstlerischen Position. Sie widmet sich dem exzessiven Dialog zwischen Linie und Fläche. Dabei gelingt es ihm den bedeutungsschweren expressiven Realismus, der in der deutschen Malerei zu seiner Schaffenszeit vorherrschte, zu überwinden.
(Text: Dr. Wenzel Jacob – Kunsthistor
1980 – 1987
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